Daniel Stich zur Bildungspolitik Baldaufs

 

Der frisch gekürte CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2021 in Rheinland-Pfalz, Christian Baldauf, hat sich bei einem Landesparteitag seiner Partei am Wochenende in Neustadt an der Weinstraße zur Bildungspolitik der 1970er- und 1980er-Jahre bekannt. „Dahin müssen wir zurück“, sagte Baldauf wörtlich an den im Publikum sitzenden Bernhard Vogel gewandt, der Rheinland-Pfalz von 1976 bis 1988 als Ministerpräsident regierte.

„Diese Aussage hat uns sehr stutzig gemacht“, erklärt Daniel Stich, Generalsekretär der SPD Rheinland-Pfalz. „Deshalb haben wir uns die Bildungspolitik der Vogel-Ära einmal genauer angeschaut. Die Lage ist eindeutig: Heute gilt Rheinland-Pfalz in Sachen Bildung als Vorbildland, zu Vogels Zeiten sah das noch ganz anders aus.“ Während heute auf 525.952 Schülerinnen und Schüler an rheinland-pfälzischen Schulen 41.256 Lehrkräfte kommen, waren es im Schuljahr 1980/81 fast 10.000 Lehrkräfte weniger – nämlich 31.742. Und das, obwohl die Schülerzahl mit 689.878 Schülerinnen und Schülern weitaus höher lag. „Ich frage mich, was Herr Baldauf unseren Lehrkräften und auch den Schülerinnen und Schülern zumuten will“, so Daniel Stich. „Ist das wirklich seine Vorstellung eines modernen Bildungslandes?“

Dabei erschöpfe sich die Rückständigkeit des Bildungssystems in der Vogel-Zeit keineswegs im Schüler-Lehrer-Verhältnis, so Stich weiter: „Keine Inklusion, keine Lernmittelfreiheit, keine Ganztagsschulen, keine Ferienbetreuung, keine MINT-Förderung, keine Berufs- und Studienorientierung und keine Unterrichtsfächer wie Spanisch, Informatik oder Philosophie. Auch gab es kein Institut für Lehrergesundheit, wie es heute in Rheinland-Pfalz bundesweit einmalig ist. Und während damals die Klassenmesszahl für Grundschulen bei 27 Kindern lag, liegt sie heute bei 24 Kindern. Außerdem hat Rheinland-Pfalz die kleinsten Grundschulklassen bundesweit.“

„Mich stört es sehr, wie Herr Baldauf mit seiner Bildungs-Nostalgie unser Rheinland-Pfalz schlechtredet“, meint Stich. „Schauen wir uns doch nur einmal den Gerechtigkeitsaspekt an: Das dreigliedrige Schulsystem zu Vogels Zeiten hat zu einem völlig undurchlässigen Bildungssystem geführt. Heute sieht es komplett anders aus: In keinem anderen Bundesland hängt der Bildungserfolg so wenig von der sozialen Herkunft ab wie in Rheinland-Pfalz. Das sind herausragende politische Erfolge, die die CDU – bei allem Verständnis für Oppositionsgetöse – nicht einfach vom Tisch wischen kann.“

Daniel Stich zieht ein klares Fazit: „Die Bildungspolitik, die Christian Baldauf will, hat nichts mit dem Recht unserer Kinder auf eine gute Ausbildung, nichts mit dem Recht der Eltern auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf und nichts mit den heutigen Anforderungen an den Lehrerinnen- und Lehrerberuf zu tun. Christian Baldauf ist ein Mann von gestern mit politischen Konzepten von vorgestern. Er ist der Yesterday Man der rheinland-pfälzischen Politik. Seine rückständigen Ideen werden wir ihm im Wahlkampf nicht durchgehen lassen. Die SPD Rheinland-Pfalz steht für eine moderne Bildungspolitik.“