Einem Bericht der Rhein-Zeitung zufolge kritisiert der Mainzer Verfassungsrechtler Prof. Friedhelm Hufen das SPD-Mitgliedervotum als „verfassungsrechtlich höchst bedenklich“. Daniel Stich, Generalsekretär der SPD Rheinland-Pfalz, sieht hingegen die SPD als Vorreiterin in Sachen innerparteiliche Demokratie:

„Bei der SPD entscheiden alle Mitglieder, wie sich die Partei zu einer möglichen Koalition mit der Union verhalten soll, während es bei der CDU nur ein Parteitag ist, bei der CSU der Vorstand und bei der FDP Christian Lindner im Alleingang. Fakt ist: Es gibt verschiedene Wege der Entscheidungsfindung. Und die SPD wählt den demokratischsten aller Wege.“

Zu den Ausführungen von Prof. Hufen erklärt Stich:

„Die Verfassungsmäßigkeit des SPD-Mitgliedervotums zu bewerten obliegt den Richterinnen und Richtern des Bundesverfassungsgerichts – und die hatten bislang nichts zu beanstanden. Ich muss Herrn Prof. Hufen allerdings deutlich widersprechen, was seine politische Interpretation angeht, das Mitgliedervotum würde die Bundestagsabgeordneten der SPD unter Druck setzen. Selbstverständlich sind alle Abgeordneten des Deutschen Bundestages völlig frei in ihren Entscheidungen – auch in Fragen der Regierungsbildung. Sie sind nicht an Beschlüsse ihrer Parteien gebunden – völlig gleich, ob diese durch Vorstände, Parteitage oder eben Mitgliedervoten gefasst werden.“

Auch die Mutmaßung von Prof. Hufen, Abgeordnete, die von Parteibeschlüssen abweichen, würden bei zukünftigen Kandidatenaufstellungen nicht mehr berücksichtigt, weist Stich zurück:

„Diese Überlegung ist reine Spekulation und entbehrt jeglicher Grundlage. Kandidatenaufstellungen erfolgen durch die jeweiligen Wahlkreisdelegierten vor Ort und sind gänzlich unabhängig von anderen Beschlussfassungen.“